04/10/2026
Wie wirbt man als Bo***irfotografin?
Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt und auf die ich ehrlich gesagt keine richtige Antwort weiß.
In den sozialen Medien werden Fotos gesperrt oder gelöscht, sobald auch nur ein bisschen zu viel Bein, Haut oder Dekolleté zu sehen ist. Hat man mal Glück und die Bilder bleiben online, wird die Reichweite eingeschränkt, sodass sie am Ende kaum jemand zu sehen bekommt.
Teilt man die Fotos dann persönlich in passenden Gruppen, fühlen sich Brigitte und Hans-Günther – Namen natürlich völlig willkürlich gewählt 😉 – beim Anblick von so viel nackter Haut dermaßen unwohl, dass sie plötzlich das dringende Bedürfnis verspüren, ihre Meinung dazu mitzuteilen. Und zwar möglichst laut, möglichst öffentlich und manchmal leider auch beleidigend.
Während man als Fotografin also darüber nachdenkt, wie zum Teufel man seine Arbeit eigentlich noch bewerben soll, bekommt man auf genau derselben Plattform völlig ungeniert Werbung von großen Unternehmen angezeigt.
Unterwäschewerbung. Bademode. Dessous. Diverse Körperstellen? Zensiert? Fehlanzeige.
Derweil liefern sich Brigitte und Hans-Günther unter meinem Beitrag ein kleines Kommentar-Duell darüber, wie „ungehörig“ und „ungeheuerlich“ diese Bilder doch seien.
Dagmar findet die Fotos übrigens wunderschön, ist aber der Meinung, dass man so etwas „nicht öffentlich zeigen sollte“.
Peter hingegen würde natürlich gerne „mehr sehen“ und hält es für eine hervorragende Idee, mir das anschließend auch noch persönlich mitzuteilen. Der Inhalt seiner Nachricht überschreitet die Grenze des guten Geschmacks dabei deutlich – und die der Jugendfreiheit gleich mit.
Und irgendwo sitzt Susi.
Susi schaut sich meine Bilder an und denkt:
„Genau solche Fotos wollte ich schon immer mal von mir haben.“
Aber wenn sie die Kommentare liest, traut sie sich plötzlich nicht mehr.
Und die Fotografin?
Die darf sich anschließend anhören:
„Wenn du sowas öffentlich postest, musst du halt auch Kritik aushalten.“
Nein.
Kritik und Beleidigungen sind nicht dasselbe.
Und nur weil jemand meine Bilder sieht, bedeutet das nicht automatisch, dass ich seine ungefragte Meinung, seine sexuellen Kommentare oder persönliche Angriffe akzeptieren muss.
Und dann kommt noch Onkel Bob.
Onkel Bob hat irgendwann mal eine Kamera gekauft und fühlt sich dadurch selbstverständlich qualifiziert, mir ungefragt professionelle Tipps zu geben. Schließlich macht einen der Besitz einer Kamera ja bekanntlich automatisch zum Profi. 😉
Während ich mir also die nächste sehr freizügige Unterwäschewerbung auf derselben Plattform anschaue, werde ich parallel von Brigitte und Hans-Günther per Privatnachricht bombardiert.
„Man wird ja wohl noch seine Meinung sagen dürfen.“
„Meinungsfreiheit!“
„Du musst Kritik abkönnen!“
Ja. Natürlich darfst Du eine Meinung haben.
Aber Du hast keinen Anspruch darauf, dass ich sie hören möchte.
Und vor allem hast Du keinen Anspruch darauf, mich zu beleidigen, zu sexualisieren oder persönlich anzugehen.
Denn Brigitte, Hans-Günther, Peter, Dagmar und Onkel Bob waren nie meine Zielgruppe.
Ich habe diese Bilder nicht veröffentlicht, weil ich unbedingt möchte, dass jeder Mann im Internet sie anschaut.
Ich habe sie veröffentlicht, weil ich meine Arbeit zeigen möchte.
Weil ich Frauen erreichen möchte, die sich genau solche Bilder wünschen.
Frauen wie Susi.
Frauen, die vielleicht seit Jahren davon träumen, sich einmal sinnlich, selbstbewusst und wunderschön fotografieren zu lassen, sich aber bisher nicht getraut haben.
Und genau für diese Frauen möchte ich sichtbar sein.
Das ist das eigentliche Dilemma als Bo***irfotografin:
Du sollst Deine Arbeit zeigen, aber bitte nicht zu viel.
Du sollst sichtbar sein, aber bitte nicht zu sichtbar.
Du sollst Werbung machen, aber bitte so, dass sich niemand daran stört.
Und wenn Du es trotzdem wagst, musst Du Dir anschließend anhören, dass Du selbst schuld bist, wenn andere Menschen sich danebenbenehmen.
Vielleicht sollten wir einfach mal aufhören, die Verantwortung dafür bei denjenigen zu suchen, die ihre Arbeit zeigen – und anfangen, sie bei denjenigen zu lassen, die sich nicht benehmen können.
Bo***ir ist keine Einladung.
Ein Foto ist keine Aufforderung.
Und nackte Haut ist kein Freifahrtschein für Respektlosigkeit.
Ich fotografiere Frauen. Sinnlich, ästhetisch, selbstbewusst und so, wie sie sich selbst sehen möchten.
Und dafür werde ich mich auch weiterhin nicht entschuldigen. 🤍