Orte der Ewigkeit

Orte der Ewigkeit Friedhöfe sind Orte der Stille und der Nachdenklichkeit.

„Rotbrauner Stein, schwer und alt. Eine Grabplatte – gemeißelt, glatt vom Regen der Jahre. Darauf: Gebete an Gottes Sohn...
05/06/2025

„Rotbrauner Stein, schwer und alt. Eine Grabplatte – gemeißelt, glatt vom Regen der Jahre. Darauf: Gebete an Gottes Sohn, geschlagen mit sicherer Hand, als hätte Ewigkeit Gewicht. Und doch liegt er nicht darunter. Nie hat er dort gelegen. Es gibt Gräber, die nie vergessen werden – nicht wegen dem, was in ihnen ruht, sondern wegen dem, was sie versprechen. Denn selbst der Tod weiß: Es gibt Hoffnungen, die nie erfüllt werden – und darin soll Trost liegen?“

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„Gesegnet werdet ihr – mit Wasser, mit Worten, mit Hoffnung, als könne ein Tropfen Licht den Gang durch meine Schatten e...
04/06/2025

„Gesegnet werdet ihr – mit Wasser, mit Worten, mit Hoffnung, als könne ein Tropfen Licht den Gang durch meine Schatten erhellen. Und dann tretet ihr ein, einer nach dem anderen. Still. Zögerlich. Manche mit einem Gebet auf den Lippen. Doch was kümmert mich euer Segen? Ich bin älter als eure Götter. Und gerechter als euer Glaube. In meinem Reich liegt keiner höher als der andere. Ich berühre alle mit derselben Hand.“

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„Ich habe viel gesehen. Kriege. Kinder. Könige. Und manchmal bleibe ich doch einen Moment länger.Da kniet ein kleines En...
03/06/2025

„Ich habe viel gesehen. Kriege. Kinder. Könige. Und manchmal bleibe ich doch einen Moment länger.

Da kniet ein kleines Engelchen, die Hände gefaltet, als bete es für eine Seele. Vielleicht erinnert es sich. Vielleicht bittet es. Ich weiß es nicht – ich frage nicht. Ich nehme nur.

Doch wie dem auch sei: Es ist ein liebes Engelchen. Selbst im Licht ahnt es schon meinen Schatten. Und so stehe ich still, für einen Atemzug Ewigkeit – nicht aus Gnade. Nur aus Respekt.“

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„Siehst du sie zu meinen Füßen? Drei Gräber, schlicht, ergeben – wie Untertanen, die längst nichts mehr fordern. Der Sch...
02/06/2025

„Siehst du sie zu meinen Füßen? Drei Gräber, schlicht, ergeben – wie Untertanen, die längst nichts mehr fordern. Der Schnee hat sie zugedeckt, wie Schweigen die Erinnerung. Ich brauche keine Krone, kein Zepter. Ich throne nicht – ich warte. Und früher oder später kniet alles vor mir. Auch du. Ich bin nicht grausam. Ich bin Gesetz. Und mein Reich wächst mit jedem Herzschlag, den du hörst.“

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„Nach deinem Ende zerfällst du – langsam, geduldig. Fleisch vergeht, Knochen bleiben. Doch auch sie werden Staub. Was bl...
01/06/2025

„Nach deinem Ende zerfällst du – langsam, geduldig. Fleisch vergeht, Knochen bleiben. Doch auch sie werden Staub. Was bleibt, ist Erinnerung. Und selbst die ist flüchtig… es sei denn, jemand schreibt. Vielleicht 52 Geschichten über den Tod – damit du, wenn schon nicht lebst, so doch nicht verschwindest.“

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„Säulen ragen aus dem winterstarren Boden, umklammert vom dunklen Efeu wie von Erinnerungen, die niemand mehr haben will...
31/05/2025

„Säulen ragen aus dem winterstarren Boden, umklammert vom dunklen Efeu wie von Erinnerungen, die niemand mehr haben will. Dahinter ein Grab – namenlos, vergessen, von Schnee bedeckt. Kein Zeichen, kein Gebet. Nur ein stummer Ort, der einst für Ewigkeit gebaut wurde – und seither jeden Tag ein wenig mehr stirbt.“

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„Zwischen dem grünen Blätterdach fällt spärlich das Licht herab – kalt und zerbrechlich wie der letzte Glaube. Irgendwo ...
30/05/2025

„Zwischen dem grünen Blätterdach fällt spärlich das Licht herab – kalt und zerbrechlich wie der letzte Glaube. Irgendwo da oben, heißt es, wachen Engel. Doch hier unten schweigt der Himmel. Der Schein, der durch die Kronen bricht, ist kein Zeichen – nur Zufall. Und hier steht er: der Engel. Regungslos, aus Stein. Ein Wächter? Ein Zeichen? Ich habe Jahre gewartet. Jahrzehnte vielleicht. Auf Trost. Auf Antwort. Erst heute frage ich mich: Ist er echt? Oder nur eine Kopie, erschaffen von Menschenhand? Habe ich all die Zeit vor einer Täuschung gekniet? Und wenn ja… was sagt das über mich? Aber vielleicht steigen Engel nicht mehr herab. Vielleicht sind sie gegangen, als wir noch Kinder waren – und nur das Rascheln der Blätter erinnert sich an sie.“

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„Ein stolzer Adler zieht seine Kreise über einem leblosen Winterland, die Schwingen schwer vom Frost der Tage. Unter ihm...
29/05/2025

„Ein stolzer Adler zieht seine Kreise über einem leblosen Winterland, die Schwingen schwer vom Frost der Tage. Unter ihm liegt der Schnee – weiß, doch nicht rein, sondern tot und ohne Trost. Kein Laut, kein Echo. Der Wind trägt kein Versprechen mehr. Und wenn der Adler fällt, fällt auch der letzte Traum. Denn selbst die Könige der Lüfte kennen keine Zuflucht, wenn die Welt erstarrt.“

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Der 4. Band meiner Kurzgeschichten ist im Handel. In „Sag mir, Tod, Tod wie spät es ist“ gibt es wieder 13 Geschichten m...
29/05/2025

Der 4. Band meiner Kurzgeschichten ist im Handel. In „Sag mir, Tod, Tod wie spät es ist“ gibt es wieder 13 Geschichten mit und / oder über den Tod. Auch der Sammelband mit den ersten 2 Büchern und Band 3 sind weiterhin im Handel erhältlich. Der Sammelband zusätzlich auch als E-Book.

„‚Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.‘ So lautet das Versprechen – und ich, der Tod, habe es gehalt...
28/05/2025

„‚Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.‘ So lautet das Versprechen – und ich, der Tod, habe es gehalten. Denn wenn alles von euch wich – ich war da. In Krankheit, im Fall, im letzten Blick. Ich allein kam nie zu spät. Und das Ende der Welt? Ich nenne es Heimkehr.“

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„Ein Monument, das thront wie ein König aus Stein, umgeben von den Untertanen kleiner Namen. Welch Hybris, sich über die...
27/05/2025

„Ein Monument, das thront wie ein König aus Stein, umgeben von den Untertanen kleiner Namen. Welch Hybris, sich über die Ewigkeit zu erheben! Doch es ist Menschenwerk – und also sterblich. Denn vor dem Tod sind selbst Könige nur Kiesel auf seinem Weg.“
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Foto aufgenommen auf dem Cimitero Comunale Monumentale Campo Verano in Rom.

„Ein einsamer Grabstein, Moos um sein Herz, liegt da wie ein letzter Wächter vergessener Zeit. Einst ein Friedhof, nun e...
26/05/2025

„Ein einsamer Grabstein, Moos um sein Herz, liegt da wie ein letzter Wächter vergessener Zeit. Einst ein Friedhof, nun ein Park. Wo einst Gebete flüsterten, lärmt nun das Lachen der Kinder – und doch scheint er zu lauschen. Vielleicht, weil auch das Leben nur eine andere Form des Gedenkens ist.“

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