01/05/2026
In Essen sind am 01.05.2026 über 5.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen rechte Jugendgruppen, neonazistische Strukturen, institutionellen Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu protestieren. Ihr Protest richtete sich zudem gegen die Präsenz neonazistischer Jugendorganisationen in der Stadt, die anhaltende Kriminalisierung der antifaschistischen Bewegung, den fortschreitenden Rechtsruck sowie die zunehmende Normalisierung rassistischer und menschenfeindlicher Positionen in Teilen von Gesellschaft, Medien und Politik. Lautstark solidarisierten sich die Teilnehmer*innen mit den Opfern rechter Gewalt und forderten die Organisierung antifaschistischen Selbstschutzes.
Anlass für den Protest war ein angekündigter Aufmarsch der neonazistischen Partei Die Heimat (ehemals Nationaldemokratische Partei Deutschlands) sowie ihrer Jugendorganisation Junge Nationalisten. Neben der Partei selbst zeichnete sich eine breitere Mobilisierung innerhalb der extrem rechten Szene ab. Erfahrungen aus vergleichbaren Aufmärschen zeigen, dass solche Aktionen selten auf einzelne Organisationen beschränkt bleiben. Stattdessen beteiligen sich häufig lose Netzwerke, parteinahe Strukturen und jüngere, aktionsorientierte Gruppierungen, die ihre Teilnahme nicht immer öffentlich ankündigen. Rund 300 Ne***zis aus dem gesamten Bundesgebiet folgten dem Aufruf der extrem-rechten Partei und beteiligten sich am Aufmarsch.
Zum antifaschistischen Gegenprotest hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis Essen stellt sich quer (ESSQ) aufgerufen. Es forderte dazu auf, den rechten Aufmarsch nicht unwidersprochen zu lassen und sich den Ne***zis entgegenzustellen. Mit Demonstrationen und Aktionen sollte ein sichtbares Zeichen gegen rechte Mobilisierung gesetzt werden. Die Wahl des Ruhrgebiets als zentraler Ort für den Aufmarsch verstärkte die Kritik zusätzlich: Die Region steht wie kaum eine andere für industrielle Geschichte, Migration und gesellschaftliche Vielfalt. Entsprechend wurde die Präsenz der extremen Rechten von vielen als bewusste Provokation verstanden, gegen die sich der Protest nicht nur im konkreten Fall, sondern grundsätzlich richtete.
Auch eine Vielzahl von autonomer Antifaschist*innen beteiligten sich an dem Protest. Ihr Ziel war es, den rechten Marsch durch Blockaden zu stören oder zu verhindern. Doch aufgrund des massiven Polizeiaufgebotes und der weiträumig abgesperrten Route gelang es ihnen nicht auf die Route zu gelangen, stattdessen blieb ihnen nur der Protest in Sicht und Hörweite. Am frühen Abend beruhigte sich die Lage wieder.
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