08/02/2019
Du siehst etwas, das ich nicht sehe!
So heißt das Thema des Magazins Oya zu dem DIE FOTOKANTINE eingeladen wurde, sich fotografisch zu beteiligen.
Gestern gingen die Bilder raus an die Redaktion und nun bin ich gespannt auf deren Reaktion und auch auf die hoffentlich vielen unterschiedlichen Ansätze anderer Teilnehmer.
Hier einen Überblick über das Briefing (gekürzt).
Die Perspektive, die ich gerade auf etwas einnehme, ist immer nur ein Teil des Ganzen und wird durch jene Perspektiven ergänzt und erweitert, die ich im jeweiligen Moment nicht einnehmen kann. Alles hat (mindestens) zwei komplementäre Seiten, und erst wenn einander gegenüberliegende Betrachtungsweisen zusammenfließen, können wir uns der komplexen Ganzheit der Phänomene annähern. Sich dessen bewusst zu werden, erinnert daran, dass die je eigene Sichtweise nicht notwendigerweise »richtiger« oder »falscher« als die jeweils entgegengesetzte ist. Umso wichtiger wird diese Qualität in Zeiten, in denen sich Einseitigkeiten – in diese oder jene Extreme gesteigert – zu handfesten Konflikten und Krisen planetaren Ausmaßes verschärfen.
Suche dir ein Subjekt (oder Objekt), das du aus zwei um 180 Grad gedrehten Perspektiven fotografierst. Es ist nicht notwendig, dass du dir überlegst, welche Seite du als »vorne« oder als »hinten« wahrnimmst. So wenig, wie es in unseren Gesprächen um richtig und falsch geht, so wenig geht es bei den Fotos um hinten und vorne. Es geht um zwei einander genau gegenüberliegende Perspektiven. Als Motive kommen Gegenstände, Menschen oder Landschaften in Frage. Größenverhältnisse und Bildaufbau beider Fotos sollen möglichst gleich sein, so dass die beiden Bilder klar als die eine und die andere Seite des jeweiligen Motivs zu erkennen sind. Es kann sich auch um zwei Aus- bzw. Einblicke handeln, die sich vom selben Ausgangspunkt in die eine und in die um 180 Grad gewendete Richtung bieten. In diesem Fall wäre die Kamera selbst das (unsichtbare, aber sehende) Subjekt bzw. Objekt...