05/06/2026
Heute geht es auf Gengenbach_Photos nicht um schöne Bilder.
Heute geht es um etwas, das mich persönlich betrifft und seit langer Zeit beschäftigt.
Nachdem ich gestern die Berichte über die geplante Pflegereform gelesen habe, musste ich mir einfach einmal Luft machen.
Wenn mich in den letzten Wochen jemand gefragt hat, wie es mir geht, habe ich oft geantwortet: „Ich weiß nicht, ob ich weinen oder vor Wut schreien soll.“
Meine Frau und ich kümmern uns seit langer Zeit um ihre Eltern. Arzttermine, Medikamente, Anträge, Untersuchungen, Telefonate, Organisation – vieles bleibt an uns hängen. Das machen wir nicht, weil wir dafür bezahlt werden, sondern weil Familie füreinander da ist.
Und wir sind damit nicht allein.
Millionen Angehörige in Deutschland leisten jeden Tag Pflege.
Oft neben dem Beruf.
Oft auf Kosten der eigenen Gesundheit.
Oft bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Was mich inzwischen wütend macht:
Solange Angehörige funktionieren, scheint alles in Ordnung zu sein.
Solange wir einspringen, organisieren, begleiten und auffangen, funktioniert das System.
Aber was passiert, wenn wir krank werden? Wenn wir nicht mehr können? Wenn wir irgendwann selbst Hilfe brauchen?
Die Pflegekrise ist längst da.
Sie wird nur jeden Tag von Millionen pflegenden Angehörigen aufgefangen.
Wir hören ständig von Wertschätzung, Anerkennung und Unterstützung. Viele Betroffene merken davon im Alltag jedoch wenig.
Wir brauchen keine warmen Worte.
Wir brauchen echte Unterstützung.
Denn irgendwann sind Menschen körperlich und seelisch am Ende.
Und irgendwann werfen Menschen das Handtuch.
Dann wird man feststellen, dass man diejenigen verloren hat, die das Pflegesystem über Jahre mitgetragen haben.
Viele von uns funktionieren nur noch, weil sie funktionieren müssen.
Doch auch die stärksten Schultern haben irgendwann ihre Grenzen.