04/10/2026
Ihr kennt das schon: Wenn ein Wunderwonnenmorgen da ist und ich das Vergnügen habe, ihn weder joggend noch arbeitend oder schlafend, sondern knipsend zu erleben, dann teile ich gern mehr Eindrücke davon. So ist auch dieses Bild gestern früh entstanden.
Oft werde ich gefragt, wie ich es gemacht habe und welche Einstellungen ich verwendet habe. Die habe ich früher gern unter die Bilder geschrieben, irgendwann ließ das nach, ganz ohne Grund. Denn sie zu teilen ist überhaupt kein Ding. Ich gebe gern die Erfahrung weiter, die ich über die Jahre gesammelt habe. Schließlich habe ich genauso von netten, erfahrenen Kollegen profitiert.
Gestern früh stand eine nette Dame neben mir. Fest umklammert hielt sie ihre Nikon, hatte nach eigener Aussage schon einen Kamerakurs besucht und wünschte sich dennoch ein paar Tipps, welche Einstellungen sie nehmen sollte. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt aber zwei Dinge, die ich mitgeben kann: Zuerst die Frage „Was für ein Bild möchte ich eigentlich?“. Und dann gibt es ein paar Dinge, die schlicht nicht funktionieren, etwa Überbelichtung oder ein lapidarer Bildaufbau.
Kann ich also gar keine konkreten Tipps geben? Doch, das kann ich. Ich fange an, und die Kollegen dürfen gern ergänzen:
(1) Nimm gerade am Anfang ein Stativ. Auch wenn die Belichtungszeiten kurz sind und du es technisch nicht brauchst, baust du dein Bild mit Stativ sauberer auf (Goldener Schnitt, führende Linien …).
(2) Belichte leicht knapp. Was ausgebrannt ist, ist als Information verloren, das holt dir auch der beste Rechner nicht mehr zurück. Ich arbeite grundsätzlich mit Av und einer Belichtungskorrektur von −1,7 EV.
(3) Lass dich nicht stressen von Leuten, die behaupten, nur Modus M sei echte Fotografie. Meine Aufnahmen entstehen fast immer im Av-Modus: Ich setze die Blende fest, die Kamera schlägt die Belichtungszeit vor. Für Landschaft funktioniert das hervorragend.
(4) Nutze einen Fernauslöser (oder, falls keiner vorhanden ist, den 2-Sekunden-Selbstauslöser). Das ist Pflicht, um Erschütterungen zu vermeiden.
(5) Geh bei Landschaft gern tief runter mit der Perspektive.
(6) Auch wenn die Sonne dein Ziel ist: Die beeindruckendsten Farben gibt es 30 bis 40 Minuten vor Sonnenaufgang oder kurz danach.
(7) Fotografiere in RAW. So hast du die volle Farbinformation und nicht die bereits verrechnete des JPGs.
Das sind ein paar Ansätze. Wie gesagt: Es hängt sehr davon ab, was du möchtest, und es gibt viele Wege zu tollen Bildern. Besonders die Blende ist für meine Arbeiten enorm wichtig.
Das Bild von gestern entstand mit ISO 100, 35 mm, f/8 und 1/5 s, in einem Schuss, ohne Belichtungsreihe.