06/01/2023
3.1.1822: In München stirbt Johann Christian von Mannlich (geb. 1741), Maler, Architekt und zuletzt Generaldirektor der Dank seiner Tätigkeit kräftig angewachsenen Gemäldesammlung der Kurfürsten, dann Könige von Bayern. Mannlichs Aufstieg ist eng mit den pfälzischen Wittelsbachern aus dem Hause Zweibrücken verbunden: Er beginnt als Protegé des kunstsinnigen, ganz auf Frankreich ausgerichteten Herzogs Christian IV., der seine künstlerische Ausbildung unterstützt. Nach Christians frühem Tod legt Mannlich den Pinsel zunächst beiseite und mausert sich unter dem schwierigen Nachfolger Karl II. August zum Zweibrücker Hofarchitekten, der die Ausstattung des riesigen, wiewohl kurzlebigen Schlossbaus auf dem Homburger Karlsberg samt den dortigen bedeutenden Sammlungen entwirft und organisiert. Als die Zweibrücker Herrschaft im Zuge der Französischen Revolution endet und der Karlsberg in Flammen aufgeht, folgt Mannlich wiederum Karl Augusts Nachfolger, dem jüngeren Bruder Max Joseph, nach München, wo er von diesem, dem Gesamterben der pfälzischen und bayerischen Wittelsbacher, zum Hüter des vereinigten, riesigen Bilderschatzes ernannt wird. Dankenswerterweise hat Mannlich ausführliches Zeugnis abgelegt von den bewegten Zeiten, in denen er lebte: nämlich in Form sehr süffig geschriebener Memoiren, die heute für uns als angenehm lesbare (natürlich recht parteiische) Hauptquelle für die Geschehnisse am Zweibrücker Hof und die frühe bayerische Königszeit dienen. Vor allem die gewagten Rettungsaktionen der Karlsberger Kunstsammlungen vor den Revolutionstruppen lesen sich wie ein Abenteuerroman, in denen es an Falltüren, gewitzten Lügenmanövern und gerade noch verhinderten Entdeckungen nicht mangelt. Dass Mannlich und seine Mitarbeiter hierbei sehr erfolgreich gewesen sind, davon zeugen heute nicht nur die Bilderwänder der Alten Pinakothek, sondern ebenso zahlreiche Möbel, Prunkuhren, Statuen und elegant vergoldete Holzvertäfelungen der Residenz, die mit dem lapidaren Vermerk „aus Zweibrücker Besitz“ auf ihre abenteuerliche Herkunft – und J.C. v. Mannlich – verweisen…