Tiger Eye Studio

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Von Südamerika reisen wir diese Woche ans andere Ende der Welt. Australien ist ja bekannt für seine außergewöhnliche Tie...
18/06/2026

Von Südamerika reisen wir diese Woche ans andere Ende der Welt. Australien ist ja bekannt für seine außergewöhnliche Tierwelt und insbesondere für seine Vielzahl hochspezialisierter Giftschlangen. Eine der faszinierendsten Gattungen in Australien sind die Todesottern (Acantophis) und mit der „Rauhnackigen Todesotter“ (Acantophis rugosus) wollen wir Euch heute eine weitere Art davon vorstellen. Sie wird auch als Rauhschuppige Todesotter (im Englischen „Rough Scaled Death Adder“) bezeichnet und ist eng mit der „Gemeinen Todesotter“ (Acantophis antarcticus) verwandt, die wir Euch ebenfalls schon vor Längerem vorgestellt haben und zu der die Raunackige Todesotter lang als Unterart angesehen wurde.

Trotz ihres deutschen Namens gehört die Rauhnackige Todesotter nicht zu den Vipern und Ottern (Viperidae), sondern zur Familie der Giftnattern (Elapidae und Unterfamilie Hydrophiinae), denn in Australien kommen keine Vipern vor. Die giftigen Schlangen dort gehören alle zu den Giftnattern.

Durch ihren gedrungenen Körperbau, den breiten, deutlich vom Hals abgesetzten Kopf, die geschlitzten Pupillen (Giftnattern haben sonst runde Pupillen) und ihre Lauerjäger-Lebensweise erinnert sie jedoch stark an echte Vipern. Diese Ähnlichkeit ist ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution, bei der nicht näher verwandte Tiere ähnliche Merkmale entwickeln, weil sie vergleichbare ökologische Nischen besetzen.

Die Rauhnackige Todesotter kommt sowohl in Westneuguinea, das geografisch zum Australischen Kontinent gezählt wird, sowie im Land Australien selbst vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich dort über Teile des Northern Territory sowie Western Australia und NW Queensland.

Sie besiedelt eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume, darunter offene Waldlandschaften, Savannen, Buschland und felsige Regionen bis hin zu den tropischen Regenwäldern im Norden des Landes und auf Westneuguinea. Besonders wichtig sind Bereiche mit reichlich Laubstreu, lockerem Boden oder dichter Bodenvegetation, in denen sich die Tiere hervorragend verbergen können. Aber auch auf steinigem Untergrund sind sie häufig zu finden.

Mit einer Länge von bis zu 80 cm gehört die Rauhnackige Todesotter zu den mittelgroßen Vertretern ihrer Gattung. Ihr Körper ist ungewöhnlich kräftig und gedrungen. Die Färbung variiert von graubraun über rötlich bis olivfarben und ist häufig von dunklen Querbändern oder Flecken durchzogen. Dadurch verschmilzt die Schlange nahezu perfekt mit dem Untergrund ihres Lebensraums.

Unser Exemplar hat eine besonders schöne Zeichnung/Färbung und wenn wir mit diesem Post wieder die 100er Marke knacken, zeigen wir Euch im Laufe der Woche noch ein extra Foto, bei dem die Zeichnung besonders gut zur Geltung kommt.

Zum Thema Länge: Einige Quellen beschreiben Acantophis rugosus als bis zu 110 cm lang. Andere nennen eine Maximallänge von 80 cm. Das könnte daran liegen, dass die Artabgrenzung hier noch umstritten ist. Manche Autoren zählen die längeren Tiere, die vor allem in Westneuguinea gefunden werden, zu einer eigenen Art.

Ihren deutschen Namen verdankt die Rauhnackige Todesotter übrigens den auffällig stark gekielten, rau wirkenden Schuppen, vor allem im Kopf- und Nacken-Bereich, die das Hauptunterscheidungsmerkmal zur oben schon erwähnten „Gemeinen Todesotter“ (Acantophis antarcticus) darstellen.

Wie alle Vertreter der Gattung Acanthophis (Todesottern) ist auch die Raunackige Todesotter ein hochspezialisierter Lauerjäger. Statt aktiv nach Beute zu suchen, wie es für Vertreter der Giftnattern üblich ist, liegt sie stunden- bis tagelang regungslos verborgen und wartet auf vorbeikommende Tiere. Besonders bemerkenswert ist dabei ihr Jagdverhalten: Die oft grüngefärbte Schwanzspitze wird als Köder eingesetzt und bewegt sich wurm- oder larvenartig. Dieses sogenannte Caudal Luring lockt neugierige Beutetiere in Reichweite des blitzschnellen Angriffs.

Zur Nahrung gehören vor allem kleine Säugetiere, Echsen, Frösche und gelegentlich kleinere Vögel. Die Beute wird mit einem schnellen Giftbiss überwältigt. Todesottern besitzen dabei einen der schnellsten dokumentierten Angriffe aller Schlangen und können innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zuschlagen.

Das Gift der Rauhnackige Todesotter wirkt überwiegend neurotoxisch. Es greift das Nervensystem an und kann unbehandelt zu fortschreitenden Lähmungen bis hin zu Atemstillstand führen. Vor der Verfügbarkeit moderner Gegengifte galten Todesottern als eine der gefährlichsten Schlangengruppen Australiens. Heute sind schwere Verläufe bei rechtzeitiger medizinischer Versorgung deutlich seltener, dennoch gehört die Art weiterhin zu den medizinisch bedeutenden Giftschlangen des Kontinents.

Auch ihre natürlichen Feinde sind bemerkenswert. Vor allem Greifvögel, Warane und einige größere Schlangen können Todesottern erbeuten. Ihre wichtigste Verteidigung bleibt jedoch ihre perfekte Tarnung. Anders als viele andere Schlangen flieht sie oft nicht sofort, sondern verlässt sich zunächst darauf, unentdeckt zu bleiben.

Diese Verhalten, das sie von allen anderen australischen Giftschlangen unterscheidet, lies die ersten Europäer in Australien wohl glauben, dass die Schlange taub sei und brachte ihr den englischen Namen „Deaf Adder“ – also taube Otter – ein. Durch schlechte Überlieferung oder Hörfehler wurde daraus dann wohl „Death Adder“ (Todesotter). Gesichert ist dies allerdings nicht.

Natürlich sind prinzipiell alle Schlangen taub, denn sie haben keine Ohren, mit denen sie Schall in der Luft wahrnehmen können. Stattdessen spüren sie aber Erschütterungen am Boden und bis auf die viele Vertreter der Vipern – und eben die Todesottern – fliehen Schlangen üblicherweise, wenn sie solche Erschütterungen wahrnehmen. Denn selten verheißt das etwas Gutes für sie.

Der wissenschaftliche Name erzählt ebenfalls etwas über das Aussehen der Art. Der Gattungsname „Acanthophis“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „akantha“ („Dorn“ oder „Stachel“) und „ophis" („Schlange“) zusammen. Er bezieht sich vermutlich auf die auffällige Schwanzspitze, die bei Todesottern wie oben beschrieben als Köder eingesetzt wird. Der Artname „rugosus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „runzlig“, „rau“ oder „zerfurcht“. Damit wird direkt auf die charakteristisch rau wirkenden Schuppen der Art Bezug genommen.

Die Rauhnackige Todesotter zeigt eindrucksvoll, wie die Evolution unabhängig voneinander ähnliche Lösungen hervorbringen kann. Obwohl sie mit den Vipern anderer Kontinente nur sehr weit entfernt verwandt ist, hat sie einen nahezu identischen Lebensstil entwickelt: gut getarnt, geduldig lauernd und mit einem blitzschnellen Angriff ausgestattet. Damit gehört sie zu den faszinierendsten Schlangen Australiens und zu den eindrucksvollsten Beispielen konvergenter Evolution im Tierreich.

Selbst die sonst bei Giftnattern feststehenden Giftzähne (Stichwort „Proteroglyphe Giftzähne“ oder vorderständige, feststehende Furchenzähne) sind ähnlich wie die Giftzähne der Vipern („solenoglyphe Giftzähne“ oder Röhrenzähne) ein wenig beweglich und länger als es für eine Giftnatter vergleichbarer Größe üblich wäre. Die Betonung liegt dabei auf „ähnlich“, denn weder die Länge und schon gar nicht die Beweglichkeit sind mit den Giftzähnen der „echten“ Vipern vergleichbar.

Wie gefällt Euch unser Neuzugang? Habt Ihr eventuell Interesse an weiteren Arten des australischen Kontinents?

Und zum Schluss noch eine Vorankündigung: In der nächsten Woche wird es keine „Montagsschlange“ geben…

Nach den bisherigen freudigen und nicht so freudigen Berichten aus unserem Zoo in dieser Woche kommt hier noch ein weite...
01/04/2026

Nach den bisherigen freudigen und nicht so freudigen Berichten aus unserem Zoo in dieser Woche kommt hier noch ein weiteres freudiges Ereignis, mit dem wir erst noch etwas gewartet haben, bis wir Euch davon berichten wollten. Normal versuchen wir die Montagsschlangen ja immer auch wirklich Montags zu veröffentlichen, aber diese Woche hat es eben etwas länger gedauert.

Wir haben Nachwuchs bei unseren Spinnenschwanz-Hornvipern (Pseudocerastes urarachnoides). Kaum eine andere Art verbindet so eindrucksvoll bizarre Morphologie mit einer hochspezialisierten Jagdstrategie, was sie sicher zu einer der außergewöhnlichsten Schlangen der Welt macht.

Die Spinnenschwanz-Hornviper ist endemisch im Westen des Iran. Ihr Verbreitungsgebiet liegt hauptsächlich im Zagros-Gebirge, insbesondere in den Provinzen Ilam, Kermanschah und Lorestan. Dort bewohnt sie vor allem felsige Halbwüsten und Gebirgslandschaften, häufig mit steilen Kalkfelsen, Geröllfeldern und spärlicher Vegetation.
Diese Umgebung bietet ideale Bedingungen für eine gut getarnte Lauerjägerin. Die grau-braune Grundfärbung mit unregelmäßigen Flecken lässt die Schlange nahezu mit dem felsigen Untergrund verschmelzen. Oft liegt sie regungslos zwischen Steinen oder an Felsvorsprüngen und ist selbst aus geringer Entfernung schwer zu entdecken.

Die Art erreicht gewöhnlich Längen von etwa 50 bis 70 cm, wobei Weibchen meist etwas größer werden als Männchen. Wie andere Vertreter ihrer Gattung besitzt sie über den Augen hornartige Schuppen, die ihr das typische „gehörnte“ Erscheinungsbild verleihen.

Das auffälligste Merkmal befindet sich jedoch am Schwanz: Das Schwanzende ist zu einer komplexen Struktur aus verlängerten, schuppenartigen Auswüchsen umgebildet, die optisch stark an eine Spinne erinnern. Diese einzigartige Anpassung, die bei unseren Jungtieren noch nicht ausgeprägt ist, hat der Art ihren wissenschaftlichen Namen eingebracht.

Die Spinnenschwanz-Hornviper nutzt eine besonders raffinierte Form der Caudal-Luring genannten Jagdtechnik. Dabei liegt sie reglos verborgen, während sie die Spitze ihres Schwanzes bewegt. Die einzelnen Schuppenfortsätze spreizen und zucken dabei so, dass sie für Beobachter tatsächlich wie die Beine einer Spinne wirken.

Viele insektenfressende Vögel lassen sich von dieser vermeintlichen Beute anlocken. Sobald ein Vogel nah genug herankommt, erfolgt der blitzschnelle Biss. Diese Strategie ist unter Schlangen zwar nicht völlig einzigartig, doch die extreme Spezialisierung der Schwanzstruktur gilt als eines der spektakulärsten Beispiele für diese Jagdform.

Die Hauptbeute besteht aus kleinen Vö**ln, insbesondere solchen Arten, die in den felsigen Landschaften des Zagros-Gebirges vorkommen. Daneben werden gelegentlich auch Eidechsen oder kleine Säugetiere erbeutet. Die Jagd erfolgt überwiegend aus dem Hinterhalt.

Wie andere Arten der Gattung Pseudocerastes besitzt auch diese Schlange ein stark wirksames Gift, das vor allem hämotoxische Eigenschaften aufweist. Es zerstört Gewebe und beeinträchtigt die Blutgerinnung der Beute. Über die Wirkung beim Menschen existieren nur wenige dokumentierte Fälle, doch wird das Gift allgemein als medizinisch relevant eingeschätzt.

Die Spinnenschwanz-Hornviper gehört zur Gattung Pseudocerastes, den sogenannten Falschen Hornvipern. Weitere bekannte Vertreter sind etwa die Pseudocerastes persicus und die Pseudocerastes fieldi.

Diese Arten teilen mehrere Merkmale, etwa die über den Augen stehenden „Hörner“, unterscheiden sich jedoch deutlich in Färbung, Schuppenstruktur und Verbreitung. Die Spinnenschwanz-Hornviper nimmt innerhalb der Gattung eine besonders spezialisierte ökologische Nische ein.

Obwohl die Schlange bereits in den 1960er Jahren erstmals gesammelt wurde, wurde ihre Besonderheit lange missverstanden. Wissenschaftler hielten den merkwürdigen Schwanz zunächst für eine Missbildung oder Verletzung. Erst 2006 wurde die Art wissenschaftlich korrekt beschrieben, nachdem weitere Exemplare untersucht und ihr einzigartiger Schwanz als evolutionäre Anpassung erkannt worden war.

Der wissenschaftliche Name Pseudocerastes urarachnoides setzt sich aus mehreren Teilen zusammen:
„Pseudo-“ (griechisch) bedeutet „falsch“
„cerastes“ bedeutet „gehörnt“
„arachne“ steht für „Spinne“
„-oides“ bedeutet „ähnlich“

Der Artname lässt sich also sinngemäß als „spinnenähnliche falsche Hornviper“ übersetzen und verweist direkt auf die ungewöhnliche Form des Schwanzes.

Der deutsche Trivialname Spinnenschwanz-Hornviper darf als selbsterklärend angesehen werden.

Falls Ihr den sensationellen Nachwuchs und auch die erwachsenen Tiere mit eigenen Augen sehen wollt, kommt gerne über die Osterfeiertage im Zoo vorbei. Wir werden die Tiere diese und nächste Woche ausnahmsweise in die öffentliche Schau aufnehmen. Danach werden wir sie weiter nur hinter den Kulissen halten, wo sie weniger Besucherstress ausgesetzt sind.

Findet Ihr nicht auch, dass die kleinen super süß aussehen?

Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage und alles Gute für 2026!
24/12/2025

Ich wünsche Euch allen schöne Feiertage und alles Gute für 2026!

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