01/06/2026
Auch am Freitag verkündet wieder Esmiralda, dass es nun an der Zeit ist das Gelände zu erstürmen. Und auch in diesem Jahr haben die Veranstalter sich nicht die Blöße gegeben und einen hervorragenden Opener ausgewählt, in diesem Jahr die Grind-Combo Party Cannon. Und die Schotten packen mal ordentlich einen aus und lassen die Sau fliegen! Von den Songtiteln verstehe ich naturgemäß nichts, aber das macht hier gar nichts. Eine halbe Stunde gibt es Circle Pits, verrückte Kostüme, Schlauchboote und jede Menge Seifenblasen. Das ist halt einfach der Charm des Grindcore Matinee am Freitag.
Weiter geht es Hyperdontia, einem internationalen Death / Thrash Metal Projekt mit Musikern aus Dänemark und der Türkei. Wie üblich hat die Band nach dem Grind-Opener immer einen etwas schweren Stand und auch heute ist das so. So sehr sich die Herren auch anstrengen und bei Songs wie „Grinding Teeth“ anständig losscheppern – der zweite Slot des Tages ist leider etwas undankbar. Die anwesenden Fans bekommen trotzdem ordentlich was geboten und dürfen sich bei optimalem Festivalwetter über ein vollgepacktes Set freuen.
Deutlich ruhigere Töne stimmen in der Folge The Vision Bleak an. Die Veranstalter haben immer mal wieder eine etwas außergewöhnlichere Band im Billing und die ist jetzt an der Reihe. Naturgemäß ist auch hier das Infield nur moderat gefüllt, aber der Goth-Rock mit seinen epischen Melodien und von Horror und Okkultismus geprägten Texten zündet bei den Anwesend. Das Publikum feiert Konstanz und Schwadorf nebst weiteren Musikern und insbesondere die Geigerin schafft es an diesem frühen Nachmittag durchaus Akzente zu setzen. Für mich definitiv ein starker Auftritt bei dem „Night of living dead“, „Carpathia“ oder „The death ship sails“ auch nicht fehlen dürfen.
In okkulten Wassern schwimmen auch Crypt Sermon, hier allerdings geht es musikalisch aber eher in die doomige und noch schwermütigere Richtung. Irgendwie ist mir das in diesem Moment alles etwas zu viel und ich beschließe, dass es Zeit für ein Kaltgetränk ist. Der Tag ist ja noch lang.
Wayfarer hingegen interessieren mir dann wieder deutlich mehr. Die Herren aus Denver, Colorado betreten gekleidet mit Cowboy Boots und Hut die Bühne und Sänger Brooks Wilson verkündet: „It‘s 4 in the afternoon, ready for some cowboy metal?“ Und das gibt es dann auch. Wayfarer spielen eine interessante Mischung aus Gothic und Folkmetal, nehmen aber auch durchaus Anleihen im Black Metal. Und der Opener „The thousand tombs of western promise“ geht direkt unter die Haut. Melodisch getragen, melancholisch, doomig und doch irgendwie in die Fresse – die Jungs können irgendwie alles. Ob „To enter my house justified“ oder „Masquerade of the gunslingers“ von der „A romance with violence“, die Songs sind kraftvoll und nun wird es auch vor der Bühne – zu Recht – wieder deutlich voller. Definitiv ein persönliches Highlight des heutigen Tages.
Etwas enttäuscht trete ich beim vorletzten Song den Weg ins Zelt an, denn da spielen gleich Naxen aus Münster. Die Jungs sind heute die zweite Band im Zelt und auf der Speisekarte steht Black Metal. Und wie sich das in diesem Genre gehört, gibt es ordentlich Nebel und dazu noch viel Licht – leider von hinten was die Fotografen so gar nicht erfreut. Musikalisch sind die Herren aber eine absolut solide Bank und das feiern die Fans im Zelt auch zurecht entsprechend ab.
Wer bei Hellbutcher nicht richtig hinguckt vermutet Nifelheim auf der Bühne und damit liegt man auch gar nicht so ganz verkehrt, denn hinter der Band Hellbutcher verbirgt sich Per „Hellbutcher“ Gustavson, seines Zeichens Frontmann bei den aktuell pausierenden Nifelheim. Und irgendwie bekommt man auch Songs die man „gefühlt doch schon mal bei Nifelheim gehört hat“, was der ganzen Sache aber keinen Abbruch tut. Die Jungs gewinnen in ihren Leder- und Nieten-Outfits vielleicht nicht den Preis der schönsten Band, aber scheppern tun sie wie die Topmodels! Der Meinung sind auch die zahlreichen Fans auf dem Infield die Hellbutcher ordentlich feiern.
Im Anschlus dann Defleshed. Von den Schweden gibt es eine ordentliche Runde Death/Thrash auf die Mütze. Der Sound ist gut, die Fans in Laune und Frontmann Gustaf Jorde und Mitstreiter geben gut Gas. Mir persönlich ist es aber ab einem gewissen Punkt zu eintönig und so beschließe ich mir die Jungs bei einem kleinen Mittagssnack aus der Entfernung anzuschauen und pünktlich im Zelt aufzuschlagen.
Dort spielen nämlich als nächstes Friisk. Bei den Herrschaften aus Leer aus Ostfriesland steht ordentlicher atmosphärischer Black Metal auf dem Programm und das ist ja genau mein Ding. Und ich werde auch definitiv nicht enttäuscht. Die Herrschaften haben einen hervorragenden Sound und die Songs schieben auch richtig ordentlich. Und auch das Zelt ist anständig gefüllt und auch hier kommen Friisk sehr gut an. Wie es sich für Black Metal gehört, gibt es auch ordentlich Nebel und ich habe wirklich Glück, dass ich meine Fotos im Kasten habe, bevor die Band im weißen Nichts verschwindet.
Suffocation aus Long Island, New York haben hingegen keinen Nebel nötig. Aufgrund technischer Probleme dauert es etwas bis es losgeht, aber dann gibt das Quintett direkt Vollgas und ballert den Fans ihre Brutal Death Riffs ungebremst ins Gesicht. Ricky Myers, mittlerweile auch schon geraume Zeit als Frontmann bei den US-Amerikanern am Mikro unterwegs, kann definitiv überzeugen und so gibt es einen breiteren Abriss über das Schaffen der Jungs. Der Titeltrack der aktuellen Platte „Hymns from the apocrypha“ zeigt definitiv, dass Suffocation noch lange nicht zum alten Eisen gehören.
Und auch Brujeria die direkt im Anschluss die Hauptbühne entern geben alles. Die pseudo-mexikanische Grindcore-Truppe ist schon öfter in Schlotheim zu Gast gewesen und weiß einfach immer wieder zu überzeugen. Dabei hatten Brujeria im vergangenen Jahr die Tode von Pi**he Peach und Juan Brujo zu betrauern, was die Band aber nicht davon abhält in ihrem Namen weiter die Bühnen der Welt unsicher zu machen. „El Desmadre“ und „Brujerizmo“ bringen das Publikum vor der Bühne ordentlich in Wallung und man könnte fast meinen, dass hier der Headliner des heutigen Tages spielt. Leider haben die Jungs „nur“ 45 Minuten Spielzeit die gefühlt viel zu schnell vergehen, aber zum Glück bleibt noch genug Zeit für „Matando Güeros“ und „Marijuana“ zu dem sich Frontmann El Sangrón auch noch ein bisschen entsprechendes Material auf die Bühne liefern lässt.
Im Zelt gibt es danach wieder ordentlichen Schwarzmetall auf die Ohren. Drudensang aus Bayern haben verdient den vorletzten Slot im Zelt bekommen. Und wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch hier wieder ordentlichen Nebel und dazu noch viel rotes Licht. Das macht gut Atmosphäre, von den Schädeln und der restlichen Bühnendeko ist dadurch aber leider nicht viel zu erkennen. Irgendwie schade – das wäre vermutlich mit etwas weniger Nebel nicht weniger atmosphärisch geworden und nicht nur bei mir kommt da eine Assoziation mit Dian Fosseys „Gorillas im Nebel“ auf. Musikalisch sind Drudensang aber definitiv ganz vorne dabei! Songs wie „Vvydargaenger“ vom aktuellen Album „Geysterzvvang“ kommen in diesem Setting einfach unfassbar gut zur Geltung und das Publikum weiß das auch entsprechend zu honorieren. Ich hätte mir Drudensang gerne bis zum Ende angeschaut, aber auf der Hauptbühne geht es leicht überlappend weiter und so zieht es mich wieder dorthin.
Denn Rotting Christ will ich auf gar keinen Fall verpassen. Die Griechen habe ich in diesem Jahr schon als Vorband vor Behemoth gesehen und das war einfach großartig und so erwarte ich auch heute wieder eine exzellente Show. Und direkt von Beginn an merkt man, dass Frontmann Sakis Tolis richtig Laune hat. Schon das Intro „666“ lässt Großes erahnen und dient als hervorragender Einstieg in ein grandioses Set mystischen Black-Metal-Klänge. „Fire, God And Fear“ ist sowohl auf Plate als auch live einfach ein brutaler Song und zusammen mit dem „Sonnenuntergangs-Slot“ und ordentlich Pyros knallt er noch viel mehr. Und auch der Rest der Band trägt seinen Teil dazu bei. Man kann die Spielfreude förmlich anfassen aber auch die Setlist ist grandios. „Like Father, Like Son“, „Elthe Kyrie“ und auch das unschlagbare “Non Serviam” schallen über das Flugfeld. Definitiv ein weiteres Highlight der 2025er Ausgabe des Party.San Festivals.
Ein letztes Mal eile ich an diesem Freitag ins Zelt, denn Imperial Triumphant beenden hier den Reigen der Bands. Die Jungs haben in letzter Zeit sehr viel Werbung für ihr neues Album „Goldstar“ gemacht und finden auch im Zelt regen Zuspruch. Und ich muss zugeben, die düstere Stimmung auf der Bühne, die goldenen Masken, die im rötlichen Licht zu glühen scheinen und die dadurch ausdruckslosen starren Mienen geben dem Ganzen ein ganz eigenes Flair. Musikalisch gibt es hier technischen Avantgarde Death-Metal mit Black Einflüssen serviert. Mir ist das ganze allerdings sowohl auf Platte als auch live auf der Bühne zu sperrig. Zu oft springen die Melodien und Rhythmen, hat man gerade einen Groove gefunden bringt der nächste Break alles durcheinander. Aber die Jungs haben definitiv ihre Fans vor Ort und die kommen so wie es scheint voll auf ihre Kosten.
Zu I Am Morbid bin ich dann auch wieder mit Jacke und Kapu vom Zelt zurück auf dem Platz. David Vincent ist sichtlich gut gelaunt und haut mehr als nur einmal einen Spruch raus. Auf dem Programm stehen, wie sollte es auch anders sein, die Klassiker von Morbid Angel, denn mit denen bekommt man die Fans vor die Bühne und zum Headbangen. Mit dabei sind unter anderem „Dominate“, Blood on my hands“ oder „Blessed are the sick”. Die Fans feiern I Am Morbid, die wiederrum freuen sich sichtlich, dass die Show so gut ankommt, und so haben beide Seiten sichtlich Spass.
Last but not least gibt es Triptykon plays Celtic Frost. Tom Gabriel Warrior waren vor einigen Jahren bereits mit einem Hellhammer Tribute auf dem Party.San zu Gast, jetzt also gibt es die Klassiker von Celtic Frost. Und derer gibt es ja bekanntlich viele. Als Intro schallt „Totengott“ vom Band doch direkt darauf werfen sich Herr Warrior und Mitstreiter in das eigentliche Set. Und so gibt es zunächst „Circle of the tyrants“ und „The usurper“ auf die Lauscher. Der Sound ist hervorragend und so knallen diese Songs richtig gut. Außerdem scheint der Chef richtig gute Laune zu haben und erzählt unter anderem, wie sehr er sich freut immer wieder auf dem Party.San spielen zu dürfen. „Procreation (of the wicked)“ widmet er dem viel zu früh verstorbenen Wegbegleiter Martin Eric Ain bevor es mit „Sorrows of the moon“, „A dying god coming into human flesh“ und „Dethroned emperor“ weiter geht. Das Set macht wirklich Laune und auch den umstehenden Fans bleibt hier und da die Kinnlade unten, denn Triptykon liefern hier einfach großes ab. Zum Outro „Winter“ schlendern die Leute dann Richtung Partyzelt oder Campingplatz und gefühlt ist die die Menge einig: Das war der Knaller!
Link zum Fotoalbum:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1562831462512804&type=3