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Burgruine Neu-Tannegg (Ruine Boll), Sauldorf-BollDie Burgruine Neu-Tannegg, auch Burg Boll oder Bolle genannt, ist die R...
19/03/2026

Burgruine Neu-Tannegg (Ruine Boll), Sauldorf-Boll

Die Burgruine Neu-Tannegg, auch Burg Boll oder Bolle genannt, ist die Ruine einer Höhenburg/Spornburg bei 695 m ü. NN auf einem Bergrücken oberhalb der eindrucksvollen Wutachschlucht bei Boll, einem Ortsteil der Stadt Bonndorf, im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Neu-Tannegg war einst die prächtigste Burg entlang der Wutachschlucht und von dort aus kontrollierte der Adel die Handelsstraße durch die Schlucht.

Als Erbauer, der vermutlich nach 1200 errichteten Burg, gelten die eigenen edlen Herren von Boll, die als Dienstmannen der Freiherren von Krenkingen um 1160 erwähnt werden. Ob der Name „Burg Boll“ ursprünglich eine Vorgängerburg der Burg Neu-Tannegg bezeichnete, ist nicht geklärt.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts kam die Burg in den Besitz der Herren von Tannegg und 1294 an die Herren von Blumberg, die sie an die verwandten Herren von Blumegg weitergaben. 1366 kaufte Egloff von Wolfurt die Anlage, später die Herren von Rechberg.

Um das Jahr 1400 zerstörte ein Bergrutsch den nördlichen Teil der Anlage, die 1467 von Graf Johann von Lupfen erworben wurde. Ab 1460 wird Burg Neu-Tannegg durchgängig als „Burgstall“ bezeichnet, also als eine Burg, von der noch weniger erhalten ist als eine Ruine.

Eine Zerstörung der Burganlage durch Feindeshand ist nicht überliefert, man geht davon aus, dass ein Felssturz bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Burg zerstörte. Der Standort an der Wutach und die damit verbundenen Einnahmen hat aber auch vermutlich mit den Bauernkriegen und der Verlagerung des Handels- und Reiseverkehrs auf andere Regionen an Bedeutung verloren.

In der Nähe lag die Burg Tannegg, genannt Burg Alt-Tannegg.

Die Blütezeit der Burg und der Herren von Tannegg lag im ausgehenden Mittelalter, da die Burg der Kontrolle eines wichtigen Wutachüberganges innehatte. Die Burg bestand ursprünglich aus einer Kernburg, einer Vorburg und mehreren Zwingern. Die Ruine der Kernburg, die einst wohl die bedeutende Furt Dietfurt in der Wutach kontrollieren sollte, zeigt u. a. noch Reste von Umfassungsmauern, die Südseite des Palas und einen Halsgraben zum höher gelegenen Berghang. Ein Rest der Südmauer lässt darauf schließen, dass sie wohl von einer Ringmauer umgeben war. Der Bau selbst scheint drei Stockwerke gehabt zu haben; darauf weisen die in der Innenseite der Mauer befindlichen Balkenlöcher hin. Von der Vorburg ist nur noch das zugewachsene Plateau erhalten. Ursprünglich war die Burg Boll rund 70 Meter lang und 30 Meter breit.

Vom großen Wanderparkplatz in Boll ist der Weg zur Burgruine Neu-Tannegg ausgeschildert, jedoch ist wegen Einsturzgefahr der Zugang zur Anlage gesperrt, entsprechende Beschilderung vor Ort. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat 1979 das öffentliche Interesse am Erhalten dieser in so romantischer Umgebung liegenden Ruine bestätigt, doch wie so oft ....

Château de la Roche Goyon (Fort La Latte), Plévenon, FrankreichDas Fort La Latte, auch Château de la Roche Goyon, oder F...
24/02/2026

Château de la Roche Goyon (Fort La Latte), Plévenon, Frankreich

Das Fort La Latte, auch Château de la Roche Goyon, oder Fort de la Dent de Gargantua genannt, bretonisch Roc’h Goueon, ist eine imposante Burg / Festung aus dem 14. Jahrhundert auf dem Gebiet der Gemeinde Plévenon im Département Côtes-d’Armor in der Bretagne in Frankreich. Sie thront auf einer schmalen Landzunge an der Smaragdküste, am Eingang der Baye de la Fresnaye, etwa 4 km südöstlich von Cap Fréhel und 35 km von Saint-Malo entfernt.

Der Name "Goyon", oder auch "Gouyon", stammt aus einer der ältesten bretonischen Adelsfamilien. Der Legende nach, wurde eine erste Burg an gleichem Ort von einem Herrn Goyon, unter dem Herzog der Bretonen Alain Barbe Torte, dem Schrägbärtigen, im Jahre 937 gebaut.

Die heutige Anlage wurde als befestigtes Eigenheim in exponierter Lage auf zwei hintereinanderliegenden Riffen während des bretonischen Erbfolgekrieges (1341-1364), oder auch Krieg der beiden Johannas, von dem einflussreichen Étienne III. Goyon (1290-1362) erbaut, um als strategischer Vorposten von St. Malo dem Herzog der Bretagne zu Diensten zu sein.

Das Château de la Roche Goyon war wohl noch nicht einmal komplett fertiggestellt, als im Jahre 1379 die Burg während des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) von dem bretonischen Heerführer und Connétable von Frankreich Bertrand du Guesclin (1320-1380) erobert und für Karl V. (1338-1380), König von Frankreich, beschlagnahmt wurde. Gleich die erste Feuertaufe war fehlgeschlagen.

Nachdem die erste Phase des französisch-englischen Dauerkonflikts vorübergehend mit einem Waffenstillstand befriedet wurde, bekam die Familie Goyon, durch den zweiten Vertrag von Guérande im Jahre 1381, die Burg, nach gerade einmal zwei Jahren, schon wieder zurück. Je nach Vermögen der Familie wurde die Wehranlage in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erweitert und ausgebaut.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts bekam die Familie Goyon immer mehr Macht. Die Goyon’s saßen sogar in den Versammlungen "Etats de Bretagne", den Versammlungen von Vertretern des Klerus, des Adels und der Städte. Nachdem die Familie durch eine vorteilhafte Heiratsverbindung ihren unbequemen Wohnsitz auf den Felsen zugunsten einer komfortablen Baronie in der Normandie aufgegeben hatte, blieb lediglich ein Verwalter samt kleiner Wachmannschaft auf La Roche Goyon zurück.

Zur Zeit des Anschlusses der Bretagne an Frankreich wurde die Burg im Jahre 1490 erneut belagert - diesmal von den Engländer, die aber erfolglos blieben, obwohl nur wenige Soldaten auf der Burganlage waren.

Viel gab es für die in der Burg stationierte Garde nicht zu tun. Einige Ausbesserungsarbeiten hier, Appelle und kleinere Gefechtsübungen da, ansonsten nahm das Leben einen eintönigen Gang, bis 1597 der achte und letzte Hugenottenkrieg auch vor dem abgelegenen Zipfel der Bretagne nicht Halt machte. Die Adelsfamilie Goyon-Matignon sowie die Bewohner des Umlands hatten sich in der religiösen Auseinandersetzung loyal hinter den protestantischen König Heinrich IV. (1553-1610) geschart. Damit standen sie allerdings auf verlorenem Posten gegen Herzog Philippe-Emmanuel de Lorraine, duc de Mercœur (1558-1602), dem Gouverneur der Bretagne.

Der Heerführer aufseiten der Katholischen Liga hatte sich bereits einige Jahre zuvor selbst zum Protektor des katholischen Glaubens proklamiert. Und als solcher war er besonders ambitioniert, alle Hugenotten aus der Bretagne zu unterwerfen, zu vertreiben oder in letzter Konsequenz zu vernichten. Mit 2000 Soldaten und schlagkräftigen Kanonen rückte er gegen das befestigte Schloss an, hinter dessen Mauern sich zwischenzeitlich die etwa ein Dutzend königstreuen Familien der Umgebung geflüchtet hatten. Der Kampf der 30 Mann starken Schlossbesatzung war von Anfang an aussichtslos. Nach kurzen Kampfhandlungen wurde La Roche Goyon zunächst besetzt, geplündert und anschließend niedergebrannt. Lediglich der übermächtige Bergfried hielt der Zerstörungswut der Liga-Truppen stand.

Erst 1690 erinnerte man sich an der Spitze des französischen Königreichs wieder an die ehemalige Vorzeige-Festung. Der durchaus kriegslustige Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) beauftragte den Chef-Ingenieur der Festung von Saint-Malo Siméon Garengeau (1647-1741), ein Schüler des berühmten Militärarchitekten und Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633-1707), die zerstörte Schlossanlage in die geplante Küstenbefestigung zu integrieren.

Er übernahm die Ruine und baute sie mit Einwilligung der Matignons zwischen 1690 und 1715 wieder auf. Große Teile der Struktur der heutigen Anlage wurden damals errichtet, Wehrtürme und Zugbrücken wurden instandgesetzt und die Wehrmauern deutlich verstärkt, um feindlichem Kanonenbeschuss standzuhalten. Außerdem ging der Wiederaufbau mit einer deutlichen militärischen Aufrüstung einher, die Festung wurde mit Geschützbatterien zur Meeresseite ausgestattet, um nach Saint-Malo fahrende Schiffe vor Übergriffen durch englische oder holländische Angreifer zu schützen. Innerhalb eines viertel Jahrhunderts hatte sich die einstige Burganlage La Roche Goyon zum militärischen Bollwerk Fort La Latte gemausert.

Dass beim Ausbau zum militärischen Stützpunkt kein Gedanke an möglichen Wohnkomfort verschwendet wurde, bekam im Jahr 1715 der Überraschungsgast James Francis Edward Stuart III. (1688-1766) deutlich zu spüren. Der zweifelhafte englische Thronanwärter legte bei seiner Flucht von der britischen Insel notgedrungen einen Zwischenstopp in den Festungsmauern ein. Doch anstatt sich für die Gastfreundschaft dankbar zu zeigen, bezeichnete er die Festungsanlage wenig schmeichelhaft als den armseligsten Ort, an dem je ein Mensch gelebt hat.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der eindrucksvolle Wehrbau von der Familie Goyon dem Kriegsministerium übergeben.

1793, während der Französischen Revolution (1789-1799) wurde die Burg noch einmal weiter ausgebaut, unter anderem wurde ein großer Kanonenkugel-Ofen gebaut, der dazu diente, die schwergewichtige Munition vor dem Schuss auf Rotglut zu erhitzen, um sie dann anschließend auf feindliche Schiffe abzufeuern. Damit hieß die ausgegebene Devise nicht mehr „Schiffe versenken“, sondern „Schiffe in Brand setzen“, was schlussendlich auf dasselbe Ergebnis hinauslief. Allerdings verschlang die neue Methode Unmengen an Holz, um den Ofen auf der notwendigen Betriebstemperatur von 900 °C zu halten. Da dieser Vorgang zwei bis fünf Stunden in Anspruch nahm, hatten die vor der Küste von Fresnaye lauernden Schiffe ausreichend Zeit, ihre Mission zu erfüllen und sich anschließend aus dem Staub zu machen. Dementsprechend wurde der Gebrauch des Ofens recht bald wieder aufgegeben.

Während der Herrschaft der Hundert Tage, dem Zeitraum von der erneuten Machtübernahme in Frankreich durch Napoleon Bonaparte (1769-1821), Kaiser der Franzosen, nach dessen Rückkehr von seiner Verbannungsinsel Elba, im Jahr 1815 versuchten Bürger aus Saint-Malo die Burg zu erstürmen, aber ohne Erfolg. Dies war die letzte kriegerische Auseinandersetzung an der Festung.

Fort La Latte hielt sich mit einer 60-Mann-Dauerbesatzung noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als fester Bestandteil des französischen Küstenschutzes. Danach zogen innenpolitische Machtverschiebungen auch außenpolitische Kurswechsel nach sich. Dauergegner Großbritannien avancierte plötzlich zum Verbündeten, sodass die Sicherung des Ärmelkanals nur noch im Minimalbetrieb durchgeführt wurde. Das Fort wurde auf Befehl des Kriegsministeriums verlassen und nur ein „Hausmeister“ blieb im Jahre 1886 zurück.

Nur vier Jahre später, im Jahre 1890, kam die Deklassierung, das endgültige Aus für ihre militärische Laufbahn. Der französische Staat schrieb La Latte als historisches Liebhaberobjekt zum Verkauf aus. Charles de Goyon, Duc de Feltre (1844-1930) erwarb die Festung 1892.

Das Fort wurde im Jahr 1925 offiziell zum historischen Denkmal (Monument historique) erklärt. 1931 erwarb der französische Historiker Frédéric Joüon des Longrais (1892-1975) die verfallene Burg und restaurierte sie umfassend. Ende der 1930er Jahre war es dann so weit, dass die Pforten für die Öffentlichkeit geöffnet werden konnten. Das Fort befindet sich bis heute im Besitz seiner Familie, die sich weiterhin um den Erhalt kümmert.

Der Zweite Weltkrieg war dann ein Rückschlag für das Ehepaar Joüon. Ab dem Sommer 1940 war das Gebiet der Bretagne, einschließlich der Küstenfestungen wie Fort La Latte, von der Wehrmacht besetzt. Die Festung diente den deutschen Truppen zur Überwachung der Küste im Rahmen des Atlantikwalls. Im Gegensatz zu vielen anderen Befestigungsanlagen wurde das als historisches Denkmal anerkannte Fort nicht zerstört, jedoch war die missbräuchliche Nutzung der Besatzer ein Problem, denn die hatten jegliches Inventar zu Brennholz verarbeitet.

Bei Restaurierungsarbeiten in den 1970er Jahren kam eine ungewöhnliche Entdeckung ans Tageslicht der beiden Tortürme. Im Boden hatten die Burgherren des 14. Jahrhunderts jeweils ein trichterförmiges Strafloch ausgehoben. In diese sogenannten Oubliettes, mittelalterliche Verliese, steckte man bevorzugt betrunkene Garnisonssoldaten, Befehlsverweigerer oder Verräter. Der Ein-Mann-Ersatzkerker war so schmal, dass der Gefangene darin nur stehen konnte.

Das eindrucksvolle Fort zählt mit mittlerweile über 100.000 Besuchern jährlich zu den populärsten Ausflugszielen an der Côte Vermeille. Kein Wunder, denn neben dem spektakulären Panorama bietet das Fort La Latte alles, was man von einer gestandenen Festungsanlage erwarten darf: 700 Jahre alte Mauern, die Residenz der Adelsfamilie Goyon-Matignon, zwei funktionstüchtige Zugbrücken, eine Zisterne, ein Gebetsraum, ein düsteres Verlies, Wachtürme mit Schießscharten und Gusserkerkränzen, Basteien mit Kanonen, dem seltenen Kanonenkugelofen sowie einen übermächtigen Bergfried mit 360 Grad Rundumsicht.

Der Bergfried ist das einzige Gebäude der Festung, das nie beschädigt wurde. Vielleicht hielten die vier tetramorphen Reliefs der Evangelisten, eines in jeder Himmelsrichtung an der Außenwand platziert, zusammen mit der Meerjungfrau über dem Eingang eine schützende Hand über den runden Turm.

Eine Innenbesichtigung der Residenz der Adelsfamilie Goyon-Matignon ist deshalb nicht möglich, da sie von der Eigentümerfamilie bewohnt wird.

Die Burg diente in den letzten Jahrzehnten für mehr als zwei Dutzend Filme als historische Kulisse, zum Beispiel 1958 für das Historienspektakel "Die Wikinger" mit Kirk Douglas, Tony Curtis, Ernest Borgnine und Janet Leigh oder die Sat.1-Produktion "Tristan und Isolde – Eine Liebe für die Ewigkeit" aus dem Jahr 1998, mit Ralf Bauer, Léa Bosco und Joachim Fuchsberger.

Der Doigt de Gargantua, auch Gargantuas Finger, Gargantuas Zahn oder Menhir de La Latte genannt, ist ein Menhir, eine 2,60 Meter hohe, schlanke Granitsäule, im Schlosspark von Fort La Latte. Eine Legende besagt, dass an dieser Stelle der bretonische Überriese Gargantua im Kampf gegen die rachsüchtigen keltischen Kobolde, die Korrigans, zunächst seinen Finger und später auch sein Leben verlor.

Davidwache, Hamburg-St. PauliDie Davidwache, oft fälschlicherweise auch als Davidswache bezeichnet, ist die Bezeichnung ...
23/02/2026

Davidwache, Hamburg-St. Pauli

Die Davidwache, oft fälschlicherweise auch als Davidswache bezeichnet, ist die Bezeichnung für die Dienststelle und das denkmalgeschützte Dienstgebäude des Hamburger Polizeikommissariats 15 im Hamburger Stadtteil St. Pauli am parallel zur Reeperbahn verlaufenden Spielbudenplatz/Ecke Davidstraße, das für die Sicherheit auf dem Hamburger Kiez zuständig ist. Die Davidwache ist vor allem für die hohe Zahl an Festnahmen im Umfeld von Prostitution, üblem Nepp in den Striptease-Lokalen, Alkohol, Drogen und Körperverletzung bekannt, obwohl Lust und Laster auf der Reeperbahn längst nicht mehr den Stellenwert wie einst haben.

So legendär die heutige Wache ist, so mickrig war ihr Anfang. Im Jahre 1840 bewilligte der Hamburger Senat eine Polizeiwache für das vor den Toren der Stadt gelegene Landgebiet St. Pauli. Im April 1840 wurde eine Wachmannschaft eingestellt, im Oktober 1840 wurde nach nur sechsmonatiger Bauzeit ein kleines Wachhäuschen an der Ecke Kastanienallee und Davidstraße bezogen. Bereits 1867 erschien jedoch eine Verstärkung der Polizeikräfte nötig, wodurch auch ein erhöhter Raumbedarf entstand. Es traf sich, dass an der Ecke Davidstraße und Spielbudenplatz ein Gebäude des Hamburger Bürgermilitärs nach dessen Auflösung zur Verfügung stand. Die damals noch unbekannte Polizeiwache zog 1868 an diesen Standort um, den sie noch heute innehat.

Nach 31 Jahren, in denen der Polizeiwachdienst einer bürgerlichen Deputation unterstand, wurde die Wache im Jahre 1871 der Hamburger Polizeibehörde – damals als Polizeiwache 13 – zugeordnet.

Mit der weiteren Expansion des Vergnügungsviertels St. Pauli schien um die Jahrhundertwende eine abermalige Erhöhung der Polizeipräsenz dringend geboten. Diensträume für Kriminal-, Sitten- und Ausländerpolizei waren unterzubringen, es wurde wiederum ein größeres Gebäude benötigt.

Man entschloss sich zu einem Neubau und beauftragte den Stadtbaumeister Fritz Schumacher, der unter anderem auch für die Errichtung des Hamburg Museums verantwortlich war, mit der Planung eines Gebäudes. Es folgte ein längerer Streit um den geeigneten Standort: die Bewohner und die Betreiber der Amüsierbetriebe forderten eine Rückverlegung der Wache an den alten Standort in der Kastanienallee, da die ständige Präsenz der Polizei direkt am Spielbudenplatz als dem Geschäft abträglich empfunden wurde. Da der Bauplatz dort aber zu klein war, konnte sich schließlich die Polizeibehörde mit ihrem Wunsch nach Erhalt des Standorts durchsetzen.

Ein weiterer Streit, diesmal um die Finanzierung, folgte. Der ursprüngliche Kostenvoranschlag Fritz Schumachers aus dem Jahre 1911 belief sich auf etwa 115.000 Mark, 1913 wurden die Kosten bereits mit 170.000 Mark veranschlagt. Auch dieser Streit wurde notgedrungen beigelegt und das nötige Geld bereitgestellt.

Die Polizeiwache Spielbudenplatz, heute Davidwache, in St. Pauli wurde von 1913 bis 1914 durch Fritz Schumacher gebaut, während der Bildhauer Richard Kuöhl die Keramikverzierungen an der Außenfassade gestaltete. Das bezugsfertige Gebäude wurde am 10. Dezember 1914 der Polizei übergeben. Das neue Dienstgebäude sollte Polizeiwache, Meldeamt, sittenpolizeiliche Untersuchungsstation, mehrere Dienstwohnungen, Gefangenenzellen und Geräteräume aufnehmen. Erster Nutzer war die Polizeiwache Nr. 13.

Ihren Spitznamen, den das Revier im Volksmund schon seit weit über 100 Jahren führte, verdankte sie ihrer Lage an der Davidstraße. Jedoch erst am 9. November 1970 verlieh der damalige Innensenator Heinz Ruhnau der Wache das Recht, sich fortan auch ganz offiziell so zu nennen: Davidwache – auch im Dienstsiegel und im externen Rechtsverkehr.

Der bisher prominenteste Chef der Wache war Ludwig Rielandt, der dieses Polizeirevier von 1973 bis zur Pensionierung 1986 leitete.

Nach mehreren umfassenden Renovierungen, die letzten größeren in den Jahren 1968 und 1990/1991, wurde im Rahmen einer Neustrukturierung der Hamburger Polizei 2003 abermals mehr Platz benötigt. Die örtlich zuständige Kriminalpolizeidienststelle, zuvor ungünstig in der Lerchenstraße in den Räumen der Nachbarwache untergebracht, sollte mit den Kräften der Schutzpolizei zu einem Polizeikommissariat im selben Gebäude zusammengelegt werden.

Nach etwa 15-monatiger Bauzeit wurde am 4. April 2005 der Anbau offiziell übergeben und die Schaffung des Polizeikommissariats 15 verkündet. Im Anbau sind nun die Kriminalpolizei und die Abteilung für straßenverkehrsbehördliche Angelegenheiten untergebracht, während im alten Gebäudeteil die Schutzpolizei und die Kommissariatsleitung einquartiert sind. Weiterhin bietet der Anbau Platz für einen großen Konferenzsaal.

Der von den Architekten Bernhard Winking und Martin Froh entworfene Anbau erhielt die begehrte Auszeichnung "Bauwerk des Jahres" durch den Hamburger Architekturen- und Ingenieurverein.

Nach etwa 15-monatiger Bauzeit wurde am 4. April 2005 der Anbau, der das historische Erscheinungsbild des Vorgebäudes nicht in Mitleidenschaft zieht, offiziell übergeben und die Schaffung des Polizeikommissariats 15 verkündet. Im Anbau sind nun die Kriminalpolizei und die Abteilung für straßenverkehrsbehördliche Angelegenheiten untergebracht, während im alten Gebäudeteil die Schutzpolizei und die Kommissariatsleitung einquartiert sind. Weiterhin bietet der Anbau Platz für einen großen Konferenzsaal.

Der von den Architekten Bernhard Winking und Martin Froh entworfene Anbau erhielt die begehrte Auszeichnung "Bauwerk des Jahres" durch den Hamburger Architekturen- und Ingenieurverein.

Die Davidwache am Spielbudenplatz 31 ist heute sicherlich eines der schönsten Gebäude auf der Reeperbahn. Der markante Backsteinbau ist sicher schon vielen Kiezgängern aufgefallen, allen voran sticht der geschwungene Polizei-Schriftzug an der Fassade hervor. In unmittelbarer Nähe zur Davidwache befinden sich der Hans-Albers-Platz, der Hamburger Berg, das St. Pauli Theater, die St. Joseph-Kirche und die Große Freiheit.

Das vielschichtige und durch das Rotlichtmilieu besonders belastete Reviergebiet auf dem Kiez umfasst gerade mal knapp einen Quadratkilometer mit lediglich etwa 14.000 dort gemeldeten Menschen. Die Davidwache ist damit das kleinste Revier Deutschlands mit den oft größten Fällen. Gerade an Wochenenden kommt es auf der Hamburger Reeperbahn und in den umliegenden Straßen neben ausgelassener Stimmung auch zu vielen Konfliktsituationen, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machen. Das Revier ist heute mit über 150 Beamten im Schichtdienst besetzt.

Oftmals wird die prominente Wache auch als eines der teuersten Hotels an der Reeperbahn bezeichnet, denn heutzutage zahlt jeder Eingesackte für die schmucklose Übernachtung in Staatsbetreuung mindestens 210 Euro. Wer Ärger macht, zahlt sogar deutlich mehr. Für unzählige Betrunkene endete der Reeperbahn-Besuch auf einer der harten Pritschen. Aufgrund der Lage saßen dort schon all die Alphatiere des St. Pauli-Milieus, darunter Größen der Hamburger Zuhälter- und Rotlichtszene, in den Zellen der Davidwache, aber auch internationale Prominente ein.

1957 überfiel ein Mann an einem Tag drei Frauen und misshandelte sie. 1959 schlug er wieder zu, er verging sich an einem sieben Jahre alten Mädchen, eine Nachbarin fand das Kind blutüberströmt auf. Kurz darauf wurde eine 16-Jährige Opfer des Sexualtäters. In der Davidwache tagte eine Sonderkommission. Eine Phantomzeichnung wurde angefertigt, von einem Mann mit einem modisch flachen Hut. Ganz Hamburg beteiligte sich an der Jagd nach dem Täter: Innerhalb eines Tages wurden 47 Männer mit Hüten festgenommen und unter den Schmährufen der Menschenmenge in die Davidwache geführt. Der "Spiegel" berichtete damals über den "Massenrausch der Lynchjustiz" in einem Artikel mit dem Titel "Des Teufels Hut". Alle Festgenommenen sind unschuldig.

Der Täter - ein Mann namens Bruno Pupecka - hatte sich unterdessen die Pulsadern aufgeschnitten, seine Mutter gab der Polizei den entscheidenden Hinweis. Der 31-Jährige überlebte und wurde gefasst. Im Prozess gestand Pupecka, 19 Frauen misshandelt zu haben. Das Urteil lautete 15 Jahre Haft.

"Der schöne Klaus", eine Kiez- und Rotlichtgröße aus den 70er/80er Jahren war Stammgast auf der Wache.

1975 sass Fritz Honka, der Frauen-Serienmörder von St. Pauli kurzfristig in den Zellen ein.

Auch Stefan Hempel, ein Elite-Fahnder der Davidwache, der später als Hamburgs "korruptester Polizist" bekannt wurde, sass in der Zelle auf der bekannten Kiez-Wache.

Aber die wohl heute prominentesten unfreiwilligen Gäste waren wahrscheinlich Paul McCartney & Randolph Peter „Pete“ Best (The Beatles). Vor ihrem großen Durchbruch verbrachten sie dort eine Nacht, nachdem sie in den frühen 1960er Jahren wegen Brandstiftung, sie hatten in ihrem Zimmer im Indra-Club zur Orientierung ein Kondom angezündet, verhaftet und anschließend abgeschoben wurden.

Ein stummer Filmstar: Besonders durch Film und Fernsehen ist die Davidwache zum bekanntesten Polizeirevier der Hansestadt und sogar zum bekanntesten Revier Deutschlands geworden.

Die filmische Karriere der Davidwache begann 1950 mit dem Spielfilm "Nur eine Nacht" von Fritz Kirchhoff.

1958 wurde in Folge 4 der Serie "Stahlnetz - Die Tote im Hafenbecken" in der Davidwache ermittelt.

1964 kam Jürgen Rolands Film "Polizeirevier Davidswache" in die Kinos. 48 Stunden Polizeidienst auf der "schmutzigsten Meile der Welt" - so stand es auf dem Filmplakat. Angeblich schickte der damalige Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt einen Zug Bereitschaftspolizei zur Absperrung bei den Dreharbeiten.

1971 folgte Wolfgang Staudtes "Fluchtweg St. Pauli – Großalarm für die Davidswache", mit Horst Frank, Christiane Krüger und Heinz Reincke in den Hauptrollen.

Für die ARD-Vorabendserie Großstadtrevier dient die Wache als eines von mehreren Vorbildern, ebenso für die ZDF-Serie Notruf Hafenkante.

Zum 200-jährigen Jubiläum der Polizei Hamburg und zum 100. Geburtstag der Davidwache hat das Miniatur Wunderland, die größte Modelleisenbahnanlage der Welt in Hamburg, im März 2014 Deutschlands wohl bekannteste Polizeiwache in Miniatur eröffnet und typische Szene aus dem Polizeialltag eingebaut.

Kapelle Bad Boll, BonndorfMitten im Herzen des Naturschutz- und Wandergebietes Wutachschlucht im Schwarzwald gab es eins...
22/02/2026

Kapelle Bad Boll, Bonndorf

Mitten im Herzen des Naturschutz- und Wandergebietes Wutachschlucht im Schwarzwald gab es einst den bekannten Kurort Bad Boll, der für seine schwefelhaltige Heilquelle berüchtigt war. Der ehemalige Ort liegt tief in der Schlucht, im sogenannten „Grand Canyon Deutschlands“, in der Nähe von Bonndorf und ist heute nur noch über Wanderwege erreichbar.

Schon im späten Mittelalter war die Badhofquelle im Wutachtal für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. 1839 entstand eine erste Badeanstalt, doch erst ab 1887 ging es richtig los. Der ehemalige Freiburger Oberbürgermeister Karl Schuster investierte kräftig und machte aus Bad Boll ein stattliches Heil- und Kurbad, das seinen Höhepunkt zwischen 1887 und 1941 erlebte.

Zu den Höhepunkten der Anlage gehörten das hervorragend geführte dreistöckige Kurhaus mit seiner Gastronomie für rund 100 Gäste, der gepflegte Kurpark mit zwei Weihern, auf denen Gondelfahrten angeboten wurden, sowie die Vielzahl an medizinischen Bädern, Inhalationen, Massagen und allerlei Kuren. Besonders faszinierend war die elektrische Beleuchtung der Parkanlagen und des 50 m hohen Boller Wasserfalls, die um die Jahrhundertwende viele Besucher anlockte.

1894 übernahm ein englischer "Fishing-Club" den Kurbetrieb und pachtete ganze 80 Kilometer Angelstrecke. Der Club trieb auch die Erschließung der Wutachschlucht für Wanderer voran. Der Durchbruch, von da an reisten internationale Gäste an: Adelige, Militärs und Besucher aus New York, St. Petersburg, Paris oder Florenz. Sogar der junge Prinz Hassan aus Afrika weilte dort. Und auch Winston Churchill, später Premierminister, soll in jungen Jahren seine Angel in die Wutach ausgeworfen haben.

Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs verlor Bad Boll jedoch an Bedeutung. Die Verschmutzung der Wutach machte dem Angeln ein Ende und der Fishing-Club packte seine Ruten und Koffer. Nach 1918 diente die Anlage als Tagungsstätte, nach dem Zweiten Weltkrieg noch als Erholungsheim und später als Therapiezentrum für Drogenabhängige. Bad Boll erholte sich nie wieder und verfiel schließlich – bis 1992 die Abrissbagger kamen, damit das Gelände wieder von der Natur zurück erobert werden kann. Der Ort verschwand beinahe spurlos.

Vor Ort befindet sich nur noch eine Infotafel, die über das einstige Bad Boll informiert. Die Kapelle Bad Boll ist das letzte verbliebene Gebäude des einstigen möndänen Kurbades aus dem Jahr 1889, die nur stehen blieb, da es sich um ein geweihtes Gebäude handelte.

Die Kapelle wurde 1889 erbaut und eingeweiht. Davor existierte bereits eine kleinere Badkapelle ohne Ausstattung aus dem Jahr 1855. Sie befand sich unmittelbar neben der Heilquelle, die am Talgrund der Wutach aus dem Mittleren Muschelkalk entspringt. Die heutige Kapelle wurde erheblich größer auf einem künstlichen Tuffsteinfelsen neben der Quelle beim Badehaus errichtet.

Die Kapellen wechselten im Laufe ihrer Geschichte ein paar Mal den Besitzer, so gehörten sie z.B. von 1855 bis 1870 dem Besitzer des einstigen Badehauses Anton Kromer, von 1870 bis 1894 zum Besitz des Oberbürgermeisters Schuster und von 1894 bis 1913 aufgrund des sehr fischreichen Flüsschens Wutach dem Fishing Club LTD. of London. Seit 1991 befindet sich die Kapelle im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

Die Kapelle ist aus regelmäßigem und unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk errichtet worden und ist zweigeschossig, wobei der obere Raum durch die Hanglage ebenerdig betretbar ist und den eigentlichen Kapellenraum beherbergt. Unten befinden sich zwei Räume, eine kleine Grotte und ein leerer, größerer Raum, der ursprünglich vermutlich als Lagerraum oder als Sakristei genutzt worden ist.

Die Grotte ist ausgestattet mit drei Nischen an der Nordwand. In der mittleren Befand sich vermutlich eine Marienskulptur, seitlich flankiert von zwei weiteren Skulpturen. Die Wände sind mit Felsblöcken aus Kalktuff verkleidet, oberhalb der Nischen befinden sich Bruchstücke von Stalaktiten aus einer Tropfsteinhöhle.

Der Andachtsraum wurde mit typischer Schablonenmalerei des 19. Jahrhunderts farbig ausgemalt. Die ursprüngliche Fassung ist offensichtlich einmal übermalt worden. Innen wurde zur Sicherung ein Stahlgerüst errichtet. Sie beherbergt keine kirchliche Einrichtung mehr.

Nachdem das Land als Eigentümer nichts zur Erhaltung der Kapelle unternommen hatte, schien sie dem Verfall Preis gegeben. Zwischenzeitlich war das Gebäude akut vom Einsturz bedroht, Risse hatten sich gebildet, das Dach war undicht, die Farbe blätterte ab und die Fenster waren kaputt und wurden notdürftig verschlossen. Von September 2016 bis September 2018 fanden dann endlich Notsicherungs- und Erhaltungsarbeiten statt, um den Verfall zu stoppen. Dafür standen 150.000 € zur Verfügung. Ein Erdrutsch im März 2017 verschüttete den Zugang, was die Arbeiten erschwerte. Der Freundeskreis „Kapelle Bad Boll“ setzt sich für ihren weiteren Erhalt ein.

Die verwaiste" Kapelle ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur von außen besichtigt werden.

Burg Kaysersberg, Kaysersberg, FrankreichDie Burg Kaysersberg, französisch Château de Kaysersberg, manchmal auch Schloss...
22/02/2026

Burg Kaysersberg, Kaysersberg, Frankreich

Die Burg Kaysersberg, französisch Château de Kaysersberg, manchmal auch Schloss Kaysersberg genannt, ist die Ruine einer Hangburg in dem idyllischen elsässischen Fachwerkdorf Kaysersberg an der berühmten elsässischen Weinstraße, rund zehn Kilometer nordwestlich von Colmar im Norden des Départements Haut-Rhin in Frankreich. Schon der alte Ortsname Mons Caesaris verrät den römischen Ursprung. Es ist die Heimatstadt eines der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts, Ludwig Philipp Albert Schweitzer (1875-1965).

Die Wurzeln der Reichsburg reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück, als Kaiser Friedrich II. aus dem Hause Hohenstaufen den Befehl gab, den strategisch wichtigen Ort durch eine Festung, das Castrum Keisersperg, zu sichern, um den Handelsweg über die Vogesen zu sichern. Mit dem Bau wurde der kaiserliche Vogt Wölflin von Schlettstadt beauftragt, der auf fremdem Grund und Boden zwischen 1220 und 1227 die Burg erbaute.

Dies führte zu Konflikten, bis König Heinrich VII., der Sohn von Kaiser Friedrich II., im Jahre 1227 für den stolzen Preis von 250 Mark Silber sämtliche Rechte an der auf fremdem Grund errichteten Wehranlage und dem umliegenden Gelände von den Herren Konrad von Horburg und Anselm von Rappoltstein abkaufte. Das brachte der Burg den Ruf eines trotzigen "Kaisersberges" ein. Sie sollte zukünftig die wichtige Handelsstraße von Colmar über den Diedolshauser Pass (Col de Bonhomme) nach Osten und damit einen der Hauptverkehrswege zwischen dem Elsass und Lothringen kontrollieren. Zur Zeit ihrer urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1227 war die Burg noch sehr jung und vermutlich gerade erst im Bau.

In einigen Quellen ist Burg Kaysersberg auf das 12. Jahrhundert datiert, doch die Angabe beruht auf dem Übersetzungsfehler einer Passage aus der Chronik des Richer von Senones.

Zeitgleich mit der Burg entstand ein Suburbium, das dem Vernehmen nach die Burgmannensitze von 40 Rittern aufnehmen konnte und heute den Kern der Stadt Kaysersberg bildet. Die Ausmaße der Anlage waren in der Anfangszeit wohl noch recht bescheiden. Sie bestand aus dem Bergfried und wahrscheinlich aus einem nicht sonderlich großen herrschaftlichen Bau, sowie maximal zwei bis drei Burgmannenhäusern. Mit Ausnahme des steinernen Bergfrieds bestanden die Bauten aus Holz.

Im Streit zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV. zerstörte Heinrich III. von Stahleck, der Bischof von Straßburg, Befestigungen der Staufer auf elsässischem Gebiet. In den Jahren 1246/1247 belagerte er deshalb auch Burg und Stadt Kaysersberg; jedoch erfolglos. Erst als die Kaysersberger mit Exkommunikation bedroht wurden, gaben sie ihren Widerstand auf. Im Jahr darauf besetzte der lothringische Herzog Matthäus II. die Anlage, versprach aber, sie fünf Jahre später König Wilhelm von Holland zu übergeben.

1261 war die Burg im Besitz des Bischofs Walter von Geroldseck, der mit der Stadt Straßburg im Streit lag. Rudolf von Habsburg nahm Kaysersberg als deren Verbündeter ein und ließ sämtliche Holzkonstruktionen durch Bauten aus Stein ersetzen. Sein Ausbau war jedoch nicht auf Repräsentation ausgelegt, sondern rein zweckmäßig. Mit seiner Krönung zum König im Jahre 1273 fiel Kaysersberg de facto wieder dem Reich zu. Mit der Obhut wurden nun lokale Burgmannen betreut.

Im Jahr 1293 erhielt Kaysersberg durch König Adolf von Nassau das Stadtrecht.

1330 verpfändete Ludwig der Bayer Burg und Stadt an den böhmischen König Johann, dem sie aber am 9. August 1336 nach kurzer Belagerung durch den Landvogt und die Reichsstände wieder abgenommen wurde. Fortan verwaltete ein kaiserlicher Vogt die Burganlage.

1345 entband Kaiser Karl IV. die Stadtbürger von jeder fremden Rechtsprechung und hielt in Kaysersberg eine Versammlung der freien Städte des Elsass zur Wahrung des Landfriedens ab. 1353 schloss sich Kaysersberg als Freie Reichsstadt dem elsässischen Zehnstädtebund an – ein Bündnis wohlhabender Städte, das für wirtschaftliche Blüte und Schutz sorgte.

1379/1380 erfolgte eine Erhöhung der Ringmauer um vier Meter. Zugleich wurde 1380 an der Ostseite der Kernburg ein neuer, größerer Wohnbau errichtet. Die Anlage diente im Mittelalter noch häufiger als Pfandobjekt, so war sie zum Beispiel an Wenzel I. von Luxemburg und Konrad Stürtzel, den Kanzler Maximilians I., verpfändet.

1444 widerstand die Burganlage im Hundertjährigen Krieg erfolgreich einer Belagerung, als die Söldnertruppen der sogenannten Armagnacs ins Elsass einfielen. Während die Unterburg wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert aufgegeben wurde, erfolgten im selben Zeitraum bauliche Veränderungen in und an der Oberburg. Dazu zählten die Errichtung eines runden Baus zwischen Bergfried und Wohnbau und das Versetzen der Trennmauer zwischen Ober- und Unterburg nach Süden. Dabei wurde auch ein neues Burgtor in der Ostseite der Ringmauer ausgebrochen, das einen direkten Zugang zur Kernburg ermöglichte. Zuvor war dieser Bereich nur von der Unterburg aus erreichbar gewesen.

War die Anlage 1444 noch wehrhaft genug gewesen, um einer Belagerung während des Hundertjährigen Kriegs (1337-1453) standzuhalten, reichten ihre Verteidigungsanlagen während des Deutschen Bauernkriegs (1524-1526) nicht aus, um die Aufständischen abzuhalten. Diese hatten Kanonen gegen die Burg in Stellung gebracht, und nach einem mehrstündigen Bombardement musste die Besatzung von Kaysersberg am 18. Mai 1525 schließlich kapitulieren.

Unter Feldhauptmann und General Lazarus von Schwendi, auf kaiserlichem Rat Karls V., erfolgte 1583 noch einmal eine Verstärkung der Anlage zu ihrer Anpassung an moderne Feuerwaffen. Die Zinnen des Bergfrieds erhielten Schießscharten, die Zinnenfenster Schießläden, und der dahinter liegende Wehrgang wurde überdacht. Der kaiserliche Vogt von Schwendi prägte die Stadt, er brachte Reben aus Ungarn in die Region und stärkte den Ruf Kaysersbergs als Weinstadt. Noch heute erinnert eine Statue in der Stadt an seine bedeutende Rolle.

Schon um 1600 galt die Burg wieder als baufällig, trotzdem konnte sie im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Jahre 1635 und 1636, noch einmal zwei Belagerungen standhalten. Die zahlreichen Belagerungen und Kampfhandlungen trugen aber maßgeblich zum weiteren Verfall der Anlage bei, sodass sie im Jahr 1648 gänzlich ruiniert und unbewohnt war. Der französische König Ludwig XIV., dem Burg und Stadt durch den Westfälischen Frieden zugefallen waren, erlaubte den Wiederaufbau der Anlage nicht, weil er der Meinung war, dass dies zwecklos sei. Die Konflikte des Krieges hinterließen schließlich eine völlig verarmte Stadt.

Während der Französischen Revolution (1789-1799) konfisziert, wurde die Burgruine 1796 an den Franz Friedrich Siegmund August Freiherr Böcklin von Böcklinsau verkauft. Er ließ sämtliche Gebäude mit Ausnahme des massiven Bergfrieds abreißen und das Burggelände zum Teil durch Sprengungen terrassieren, um es anschließend als Weinberg zu nutzen.

Später kam der Besitz an die Familie Bastard und schließlich an Charles-Sylvestre Rieff, Präsident am Cour d’appel in Colmar. Er überließ den Bereich der Kernburg der Gesellschaft für die Erhaltung der historischen Denkmäler des Elsass, der Société pour la Conservation des Monuments Historiques dʼAlsace. Sie ließ die Ruine in der Zeit von 1865 bis 1869 baulich sichern und die Anlage durch zwei Wege touristisch erschließen. Der derweil vermauerte Ostzugang wurde durch sie wieder geöffnet und zusätzlich ein ebenerdiger Eingang in den Bergfried geschaffen.

1899 erwarb das Reichsland Elsaß-Lothringen die Burg, sodass sie nach Ende des Ersten Weltkriegs an den französischen Staat fiel.

Während des Zweiten Weltkriegs beschoss die Mannschaft eines amerikanischen Panzers den Bergfried, weil sich dort deutsche Soldaten verbarrikadiert hatten. Die daraus entstandenen Beschädigungen wurden 1955 im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten beseitigt.

Im Zuge von Restaurierungsarbeiten fanden im Zeitraum von 1995 bis 1998 archäologische Ausgrabungen und Bauuntersuchungen statt. Dabei wurden zum Beispiel die Grundmauern des einstigen Wohnbaus freigelegt und dendrochronologische Untersuchungen durchgeführt, um die Bauhistorie der Ringmauer zu klären.

Bis Ende 2007 gehörte die Burgruine dem französischen Staat, ab Januar 2008 dann der Gemeinde Kaysersberg, und seit Anfang 2016 ist nun die Commune nouvelle Kaysersberg Vignoble Eigentümerin.

Die Burgruine steht auf 295 Meter Höhe am westlichen Hang des Schlossberg etwa 50 Meter über der Ortschaft Kaysersberg und beherrscht deren Ortsbild. Sie liegt an der Nordspitze der einstigen Stadtmauer, die in derselben Technik errichtet worden ist wie die Burgmauern. Die Anlage überblickt das aus den Vogesen herausführende, waldreiche Tal der Weiss. Ein Fußweg führt an Weinbergen entlang hinauf zur Burganlage, deren Kernburg ganzjährig besucht werden kann.

Die architektonisch fast völlig schmucklose Burganlage ist zweigeteilt. Am höchsten Punkt des Areals liegt eine kleine Kernburg, südlich davon liegt tiefer das wesentlich größere Vorburgareal. Die beiden Bereiche sind durch eine Mauer voneinander getrennt.

Von der Vorburg sind lediglich die polygonale Ringmauer und minimale Spuren einer ehemaligen Randbebauung erhalten. Die Umfassungsmauer besitzt fast keine Öffnungen, nur an der Ostseite gibt es einige hohe Schlitzscharten und ein Zugangstor aus dem 13. Jahrhundert, das für Besucher nicht zugänglich ist. Ein zweites, gleich altes Tor an der Westseite der Vorburg ist vermauert. An der Innenseite der Ringmauer zeugen erhaltene Konsolsteine von einem ehemaligen Wehrgang aus Holz.

Die im Norden liegende Kernburg besitzt einen annähernd dreieckigen Grundriss. Ausgrabungen in den 1990er Jahren zeigten, dass sie in vier Phasen entstanden ist. Im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts entstand der Bergfried, der in der Zeit von 1264 bis 1268 von einer steinernen Ring- und Schildmauer umgeben wurde. In einer dritten Bauphase 1379/1380 wurden die Mauern erhöht und ein Wohnbau errichtet, ehe in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Zinnenkranz der Bergfrieds und die Ringmauer ein letztes Mal verändert wurden.

Die zur Angriffsseite zeigende Nordspitze des Kernburg-Berings ist als Schildmauer aus Buckelquadern ausgebildet. An ihrer Ostseite weist sie noch eine Höhe von 14 Metern auf. Allerdings ist sie mit knapp 1,3 Metern nicht dicker als der Durchschnitt der übrigen Ringmauer, die etwa 7,50 Metern hoch ist. Wie in der Unterburg ist die Lage des einstigen Wehrgangs anhand noch vorhandener Konsolsteine nachvollziehbar. Die Brüstung war dort 2,40 Meter hoch. Gegen den nördlich liegenden, aufsteigenden Berggrat ist die Spitze durch einen kleinen vorgelagerten Halsgraben geschützt. Ein weiterer, heute nur noch sehr flacher Halsgraben schützte die Kernburg zusätzlich an ihrer Ostseite. Seine Breite betrug ehemals etwa acht Meter. Von dieser Seite erfolgte ab dem 15. Jahrhundert auch der Zugang zur Oberburg. Dem Tor war zum Schutz eine Barbakane vorgelagert, die nach 1415 nur über eine Zugbrücke erreichbar war. Eine neben dem Tor eingebaute große Kreuzscharte aus dem 15. Jahrhundert schützte den Eingang zusätzlich.

Nur 30 Zentimeter hinter der Schildmauer steht der zylindrische Bergfried und deckte damit ebenfalls die Angriffsseite. Der Turm ist eines der ersten Exemplare solch runder Bergfriede am Oberrhein und gilt zudem als einer der ältesten im Elsass. Er war als reiner Wehrturm angelegt und nicht bewohnbar, was zum Beispiel durch das Fehlen von Aborten deutlich wird. Sein Mauerwerk war früher wahrscheinlich verputzt. Die Turmhöhe beträgt 24 m bei einem Außendurchmesser von 11 m. Durch seine über vier Meter dicken Mauern besitzt sein Inneres nur einen Durchmesser von 2,5 m.
Er war in vier Geschosse unterteilt. Das seinerzeit lichtlose Erdgeschoss diente als Verlies. Die darüber liegende Etage hatte eine Höhe von neun Metern und erhielt nur über einen einzigen Lichtschlitz spärliche Erleuchtung. Die Konsolen für ihren Holzfußboden sind zum Teil noch erhalten. Das zweite Geschoss diente als Lager. Von dort war die Wehrplatte auf dem Dach erreichbar. Heute führt eine moderne Wendeltreppe mit 122 Betonstufen vom Erdgeschoss dorthin.

Von dort oben hat man einen herrlichen Panoramablick über Kaysersberg, den Taleingang auf der Bergseite, die Weinberge und bei guter Sicht sogar bis zum Schwarzwald.

Der dortige Zinnenkranz erhielt im Spätmittelalter Anpassungen für Feuerwaffen wie Arkebusen und Feldschlangen. Allerdings ist er nur noch bis zu einer Höhe von 0,5 m original, der Rest ist eine Rekonstruktion. Der heutige Eingang im Erdgeschoss des Bergfrieds ersetzte im 19. Jahrhundert den ursprünglichen Hocheingang an der Südseite des Turms auf 10,5 m Höhe. Diese Rundbogenpforte besitzt ein Gewände aus flachen Buckelquadern. Sie war früher über einen vorgelagerten, hölzernen Balkon erreichbar, von dem noch drei Kragsteine erhalten sind.

Südöstlich des Bergfrieds stand seit 1380 ein 9 × 7,5 m großer Wohnbau mit drei Geschossen, der sich von innen an die Ringmauer anlehnte. Ihm stand an der Westseite der Kernburg ein weiteres 8 × 11 m großes Gebäude gegenüber. Neben einem Keller besaß es zwei oberirdische Geschosse. Im 15. Jahrhundert entstand zudem zwischen Bergfried und Wohnbau ein runder Bau, dessen Innendurchmesser etwa fünf Meter betrug. Seine Funktion ist unbekannt.

Die Kernburg steht als Monument historique seit dem 01. Oktober 1841 unter Denkmalschutz. Die Reste der Ringmauer, die mit den Befestigungen des Orts verbunden sind, wurden am 18. September 1995 in die nationale französische Denkmalliste aufgenommen.

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